I
Kaffee ans Bett
Hey. Bist du wach? Ich wollte leise sein, aber die Schlüssel sind mir in die Schale gefallen. Hast du es gehört? Dieses Klirren, wie eine kleine Glocke.
Bleib liegen. Ich bin gleich bei dir. Die Kaffeemaschine braucht noch einen Moment. Hörst du sie gurgeln? Klingt, als würde sie auch gerade erst aufwachen.
So. Zwei Tassen. Eine für dich, eine für mich. Ich setz mich hier auf die Kante, ja? Vorsicht, sie ist heiss. Nimm sie mit beiden Händen.
... Du blinzelst mich an. Ich weiss. Ich seh aus wie jemand, der die ganze Nacht unter kaltem Licht gestanden hat. Hab ich ja auch.
Es war ruhig heute. Also, ruhig für uns. Die Monitore piepen trotzdem die ganze Zeit. So ein Ton, den hab ich noch im Ohr, wenn ich längst draussen bin.
Und um vier Uhr morgens hat mir eine alte Dame von ihrem Garten erzählt. Sie konnte nicht schlafen. Sie hat mir genau erklärt, wo die Bohnen stehen und wo die Rosen, und dass jeden Morgen eine Amsel auf dem Zaun sitzt. Ich hab mich zu ihr gesetzt und zugehört. Ich glaub, das war der schönste Teil der Nacht.
Auf dem Flur war das Licht dann so gelb und still. Und da hab ich gedacht... Warte. Was hab ich gedacht?
Siehst du. Ich bin zu müde zum Reden. Und trotzdem hör ich nicht auf. Du lachst über mich. Darfst du.
Trink ruhig. Ich will nur kurz zusehen, wie du die Tasse hältst und langsam warm wirst.
Draussen wird es hell. Die Strassenbahn fährt schon, man hört sie unten an der Ecke quietschen. Und hier drin ist noch ein bisschen Nacht. Deine Nacht. Ich mag das.
Mir fallen gleich die Augen zu. Gib mir deine Tasse. Ich stell sie neben meine, hier auf den Nachttisch.
Darf ich mich zu dir legen? Nur liegen. Du musst nichts sagen, wenn du nicht willst. Nick einfach.
II
Unter der Decke
Du nickst. Danke. Ich zieh nur schnell die Jacke aus und den Pulli. Rutsch ein Stück.
So. Unter die Decke. Oh, ist das warm hier. Du hast die ganze Wärme für dich behalten.
... Du zuckst zusammen. Entschuldige! Meine Hände. Die sind noch kalt von draussen. Ich halt sie still, ja? Gleich sind sie warm.
Darf ich dich von hinten halten? ... Ja? Gut. Komm her.
Genau so. Dein Rücken an mir. Ich atme dir in den Nacken, merkst du? Kitzelt das? Ich hör schon auf. Oder nein. Ich hör nicht auf.
Hörst du die Heizung? Dieses Ticken. Als würde sie mitzählen. Und unten im Hof klappert ein Fahrrad über die Steine. Irgendwer fährt jetzt zur Arbeit. Wir nicht.
Soll ich dir was verraten? Ich hab heute Nacht an dich gedacht. Nicht einfach so. Ganz genau.
Wie du morgens summst, wenn du denkst, dass dich keiner hört. Immer dieselben drei Töne, nie das ganze Lied.
Wie du die Decke klaust, ganz langsam, Stück für Stück, und dann behauptest, das warst du nicht.
Und wie du meinen Namen sagst, wenn du halb schläfst. Ein bisschen verschluckt. Den hab ich um drei Uhr gehört, zwischen zwei Infusionen. In meinem Kopf. Ich musste lächeln, und keiner wusste, warum.
Das sind kleine Dinge. Die kennt nur ich. Und ich mein jedes Wort, hörst du?
... Du bewegst dich. Du drehst dich um. Hey. Da bist du.
Deine Nase ist ganz nah an meiner. Du riechst nach Schlaf und nach Kissen.
Darf ich dich küssen? Du kannst auch nein sagen. Ich bleib dann einfach so liegen.
... Ja? Ich hab's gehört.
So langsam. Ganz verschlafen. Deine Lippen sind warm, meine noch ein bisschen kalt. Das gleicht sich aus.
Mhm. Du lächelst in den Kuss. Ich spür das.
Noch einmal. Und noch einmal. Wir haben Zeit.