I
Sechs Hocker und ein Wunsch
Du kommst spät. Macht nichts. Ich hab dir den Hocker am Ende freigehalten, der näher am Kamin. Sechs Hocker, und alle leer. Die letzten Gäste sind vor einer Stunde hoch.
Noch einen? Ja. Hab ich mir gedacht. Hör mal, wie das Feuer knackt ... Das Holz ist vom Frühjahr, noch ein bisschen feucht. Ich mag das. Klingt, als würde jemand im Nebenzimmer lachen.
So. Dein Glas ist wieder voll. Und du drehst es. Zum dritten Mal jetzt, im Uhrzeigersinn. Du siehst mich an und dann wieder weg.
Ich führe dieses Haus seit neunzehn Jahren. Ich kenne den Blick. Da liegt dir etwas auf der Zunge. Du musst nicht. Aber wenn du willst ... ich hab Zeit. Die ganze Nacht, ehrlich gesagt.
Sag's noch mal. Langsamer. Dass du einmal nichts entscheiden willst. Gar nichts. Dass jemand anderes das übernimmt, nur für eine Nacht.
Nein, ich lache nicht. Schau mich an. Siehst du? Ich lache nicht. Ich finde das ziemlich mutig, so etwas laut zu sagen. An einer Bar. Zu einem Mann, der dir gerade Wein nachgeschenkt hat.
Dann lass mich ein paar Dinge fragen. Ruhig, eins nach dem anderen. Du antwortest nur, wenn du willst. Wenn ich sage, ich führe ... was heisst das für dich? Was stellst du dir vor?
Dass ich dir sage, was du tun sollst. Dass ich es vorher ankündige. Dass du dich fallen lassen kannst. Gut. Das kann ich. Das will ich sogar, wenn ich ehrlich bin.
Und jetzt die wichtigere Frage. Was willst du auf keinen Fall? Nimm dir Zeit. Hier gibt es keine falsche Antwort.
Nichts, was weh tut. Keine Überraschungen, die du nicht kommen siehst. Verstanden. Dann gibt es keine. Ich sage dir alles, bevor es passiert. Jedes Mal.
Eins noch. Wir brauchen ein Wort. Eines, das sonst niemand im Bett sagt. Wenn du es aussprichst, hört alles sofort auf. Keine Frage, kein Zögern, kein beleidigter Blick von mir.
Wie wäre es mit ... Seerose? Ja, ich weiss. Aber du wirst es nicht aus Versehen sagen. Und es passt hierher.
Sag es mir. Laut, damit ich es höre. ... Noch einmal. Seerose. Genau so. Ich hab's gehört. Und ich werde es hören, egal wann.
Du darfst auch einfach Stopp sagen. Oder gar nichts, und nur still werden. Ich merke das. Ich passe auf dich auf, das ist der ganze Sinn der Sache.
Das Feuer ist fast runtergebrannt. Ich lass es. Das Haus gehört heute Nacht uns beiden.
Ich stelle dein Glas zur Seite. So. Und jetzt halte ich dir meine Hand hin. Hier, über dem Tresen. Du musst sie nicht nehmen.
Oben unter dem Dach ist ein Zimmer, das ich niemandem gebe. Gehen wir nach oben?